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Mittwoch, 11. September 2013 18:25

Von: Daniel Monnin

Frauen-Eishockey-Meisterschaft

Die Ladies-Teams der ZSC Lions und des HC Lugano starten als haushohe Favoriten in die am Wochenende beginnende Frauen-Meisterschaft. Erster Herausforderer könnten die erstarkten „Hirondelles“ von Uni Neuchâtel sein.

Es ist ein Novum, dass die Frauen-Meisterschaft gleichzeitig mit der NLA und NLB bereits Mitte September beginnt. Der frühe Start ist auf die einmonatige Olympia-Pause im Februar zurückzuführen, die Meisterschaft dauert inklusive Playoffs bis Ende März. Erneut sind die beiden besten Teams der letzten Jahre, die ZSC Lions und der HC Lugano, die klaren Favoriten einer Meisterschaft, die aufgrund der Olympischen Spiele und der laufenden Selektion der Nationalmannschaft für das Saison-Highlight, aber auch aufgrund neuer, ausländischer Verstärkungen und einer regen Transfertätigkeit Spektakel verspricht. Es ist auch durchaus möglich, dass im März kommenden Jahres neue Teams die Playoffs bestreiten werden.

An der Spitze der Liga dürfte sich nicht viel ändern. Serienmeister ZSC Lions hat zwar nicht weniger als acht Meister-Spielerinnen verloren, auf dem Transfermarkt den Substanzverlust aber geschickt minimieren können. Vor allem der Weggang der beiden Nationalspielerinnen Lara Stalder und Isabel Waidacher (beide amerikanische Universitäten) schmerzt und konnte nicht vollständig ersetzt werden, aber auf den Ausländerinnen-Positionen sind die Zürcherinnen erneut stark besetzt. „Als Meister muss die Titelverteidigung das Ziel sein,“ sagt Teamleiterin Angela Weber, fügt aber bei: „Wir müssen aber auch demütig sein und die Realität sehen, unser Team wird sich ganz anders präsentieren als im Vorjahr und es stellt sich die Frage, wer die 78 Tore jener Spielerinnen, die uns verlassen haben, ersetzen soll.“

Herausforderer Lugano hingegen gilt gemeinhin als Transfersieger, hat seine ausländischen Verstärkungen ausgewechselt und sein Team mit einer arrivierten Nationalspielerin (Anja Stiefel) und zwei jungen Spielerinnen aus dem aktuellen erweiterten Olympiakader ergänzt (Desboeufs, Abgottspon). Neu soll auch Nationaltorhüterin Sophie Anthamatten, die in der l. Männer-Liga bei Saas Grund spielt, wenn immer möglich bereits vor den Playoffs Spiele für die Tessinerinnen bestreiten. Es erstaunt deshalb nicht, dass man in Lugano offen vom Meistertitel spricht. Teamleiterin Alessia Villa: „Wir wollen Meister werden!“

Von den restlichen vier Teams traut man am ehesten Uni Neuchâtel den problemlosen Sprung „über den Strich“ zu. Die Neuenburgerinnen, die letztes Jahr erstmals die Playoffs geschafft haben, vertrauen auf ihr bewährtes Ausländerinnen-Quartett und eine Reihe von Neuzugängen, darunter auch Nationalspielerin Mariko Dale und die ehemalige U18-Nati-Verteidigerin Dominique Scheurer. Vom Potential her ist der einzige Westschweizer Vertreter in der obersten Frauen-Liga stärker einzustufen als der letztjährige Bronzemedaillen-Gewinner Reinach, Bomo-Thun und Aufsteiger Weinfelden.

Der SC Reinach steht vor einem „Neustart“, haben doch nicht weniger als sieben Stammspielerinnen den Verein verlassen, darunter vier Eckpfeiler der Frauen-Nationalmannschaft: Julia und Stefanie Marty spielen in der Olympiasaison in der höchsten schwedischen Liga bei Linköping, Torhüterin Dominique Slongo zog zu Bomo-Thun und Anja Stiefel stürmt neu in Lugano. Der neue Trainer, Patrick Klopfenstein, spricht denn auch in erster Linie vom Ligaerhalt, aber gleichzeitig auch vom Erreichen der Playoffs, auch wenn sein Team es schwer haben wird, die Abgänge auch nur annähernd zu kompensieren. Reinach setzt auf die Jugend, nicht weniger als fünf der acht neuen Spielerinnen sind noch keine 20 Jahre alt.

Ähnliches gilt für Bomo-Thun und Aufsteiger Weinfelden. Die Thunerinnen dürfen für sich in Anspruch nehmen, einen „Königstransfer“ getätigt zu haben, denn neu hütet Dominique Slongo, die Nummer 3 in der nationalen Torhüterinnen-Hierarchie (hinter Florence Schelling und Sophie Anthamatten), das Tor der Berner Oberländerinnen. Der neue Trainer Markus Bühler spricht nach den vielen Abgängen (unter anderem die drei Nationalspielerinnen Jessica Lutz, Laura Desboeufs und Céline Abgottspon) zwar von einer „schwierigen Saison“, weiss aber auch, „dass ein Playoff-Platz durchaus realistisch ist.“ Zumal die Thunerinnen ihr Ausländerinnen-Kontingent voll ausschöpfen und nach wie vor vier Spielerinnen aus dem erweiterten Olympiakader im Team haben (Slongo, Andrea Fischer, Andrea Schranz und Barbara Lussier).

Aufsteiger Weinfelden gibt sich realistisch und spricht vom Ligaerhalt als primärem Ziel, auch wenn Trainer Ossi Tscharf insgeheim mit einem Playoff-Platz liebäugelt. Die Thurgauerinnen gehen als einziges A-Team ohne Ausländerinnen ins Rennen. „Wir haben alles versucht, doch es hat sich nichts ergeben, was unser Team weiterbringen könnte,“ sagt Teamleiter Rolf Zahner. Weinfelden vertraut auf eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft, die mit den beiden U18-Nationalspielerinnen Andrea Brändli und Dominique Rüegg zusätzliches Potential erhalten hat. Allerdings werden die beiden, wie eine Reihe von andern Kombispielerinnen in der obersten Frauen-Liga, kaum alle Spiele mit Weinfelden bestreiten, da ihr Hauptaugenmerk auf die Novizen-Meisterschaft gerichtet ist.

Die Transferübersicht der Frauen-A-Klubs

ZSC Lions

Trainerin: Daniela Diaz (bisher)

Ausländerinnen: Angela Taylor (GBR, bisher), Katie Greenway (St. Francis Xavier University, CAN, neu), Brook Fernandez (St. Lawrence University, USA, neu), Charlotte Wittich (Linköping, Aut, neu).

Zuzüge: Greenway, Fernandez, Wittich, Tiziana Cipriani (Seewen), Ann Grand (GCK Lions).

Abgänge: Lara Stalder (Minnesota Duluth Bulldogs, USA), Isabel Waidacher (Uiniversity of St. Scolastica, USA), Melanie Häfliger (Rücktritt), Eva Schwärzler (Rücktritt), Anna Vanhatalo (Finnland), Andrea Brändli (Winterthur/Weinfelden), Keely Covo (Kanada), Cyndy Kenyon (Trainerin GCK Lions).

 

Lugano

Trainer: Marzio Brambilla (bisher)

Ausländerinnen: Isabel Menard (CAN, neu), Kristin Horn (USA, neu), Kacy Ambroz (USA, neu, ab Oktober).

Zuzüge: Menard, Horn, Ambroz, Sophie Anthamatten (Saastal), Anja Stiefel (Reinach), Laura Desboeufs (Bomo / Ajoie), Céline Abgottspon (Bomo / Sierre),  Nicla Gianettoni (Valle Verzasca).

Abgänge: Daniela Rundqvist (SWE), Shannon Reilly (USA, Kira Misikowetz (Assistant Coach), Nicole Schneider, Katja Rummel (beide Rücktritt), Daniela Ayearst (USA), Agnese Tartaglione (Ita).

 

Reinach

Trainer: Patrick Klopfenstein (neu)

Ausländerinnen: Petra Dankova (SVK, neu), 2. Ausländerin noch offen.

Zuzüge: Martina Steck (reaktiviert), Jenna Layat (Langenthal), Rozenn Layat (Villars), Melina Landis (Luverne Cardinals), Florence Schindler (Bomo Thun), Stefanie Greger (Langenthal), Heidi Stalder (Langenthal), Jennifer Dütsch (reaktiviert).

Abgänge: Julia und Stefanie Marty (Linköping, Swe), Anja Stiefel (Lugano), Marlies Hofmann, Mariko Dale (beide Uni Neuchâtel), Dominique Slongo (Bomo Thun), Jamie Reinhard (Rücktritt), Sibylle Kretzschmar (Studium), Silvia Bruggmann, Florence Unterluggauer (beide Rücktritt).

 

Université Neuchâtel

Trainer: Sven Schwab, Yan Gigon (beide bisher).

Ausländerinnen: Simona Studentova, Eva Holesova (beide CZE), Mathilde Ravillard (FRA), Anna Schneider (AUT, erst ab 2014)

Zuzüge: Dominique Scheurer (Bomo-Thun), Mariko Dale (Reinach), Marlies Hofmann (Reinach), Larissa Friant (Langenthal), Isabella Vuignier (Sierre), Floriane Yerly (Jean Tinguely), Kaleigh Quennec (Genève Servette)

Abgänge: Chiara Pfosi (Cushing Academy, USA), Mélanie Salomon (LKC), Silvia Rossinelli (Chiasso), Caroline Parisi (Beruf), Pascale Martin (LKC), Cassandra Rensch (Fribourg).

 

Bomo Thun

Trainer: Markus Bühler (neu)

Ausländerinnen: Petra Melicherikova (CZE), Soline Fohrer (FRA), Emmanuelle Passard (FRA), Lubica Stofankova (SVK, neu)

Zuzüge: Dominique Slongo (Reinach), Passard (Chambéry), Stofankova (Langenthal), Patricia Schenk (Bern 96), Jacqueline Kalbermatter (Visp, reaktiviert).

Abgänge: Jessica Lutz (USA), Laura Desboeufs (Lugano), Dominique Scheurer (Uni Neuchâtel), Florence Schindler (Dragon Thun), Céline Abgottspon (Lugano), Lolita Andrisevska (Rücktritt), Nathalie Geadah (Brandis), Seraina Matthys (Studium), Sabrina Thalmann.

 

Weinfelden

Trainer: Ossi Tscharf (bisher).

Ausländerinnen:  keine

Zuzüge: Andrea Brändli (ZSC/Winterthur), Dominique Rüegg (Uzwil), Lucie Wimber (Winterthur), Barbara Riebli-Bohnenblust (reaktiviert).

Abgänge: Mia Airola (Finnland)