Berichte der A-Nati aus China

Herausforderung im Osten


letzte Beschwörung vor dem historischen Spiel

Sonntag, 13. April 2008 06:17

 

Tagesbericht A-Nati 12./13.4.2008

Der historische Tag begann mit einem Warm-Up im Trainingsrink der Baqu-Anlage. Es war spürbar, dass die Schweizerinnen sich nicht mit der Rolle des Metalllieferanten abfinden würden an diesem Tag.

Am Nachmittag beim Warm-Up gleich vor dem Spiel war ersichtlich, dass die sonst so "coolen" Finninnen ebenfalls wussten, um was es geht und sie zeigten Nerven! Zwar war der Beginn des Spiels natürlich auf Seiten der Nordländerinnen, überliessen die Schweizerinnen ihnen doch mehrheitlich die eigene Zone und stellten sie dann in der neutralen Zone. Trotzdem waren nicht 6 Minuten gespielt, als die erste Linie der Eisgenossinnen sich ins Drittel der Finninnen kämpfte und Kathrin Lehmann und Stefanie Marty sich mit einer schönen Doppelpassaktion vor's Tor arbeiteten. Lehmanns platzierter Schuss schliesslich musste Räty im Tor der Gegnerinnen passieren lassen. 1:0 Schweiz, das Spiel stand Kopf. Vom Schock erholten sich die Favoritinnen während dem Rest des Drittels nicht mehr. Plötzlich schlichen sich ungewohnte Fehler ein, nur die erste Linie vermochte zu überzeugen. Deren Abschlüsse aber waren eine sichere Beute für Florence Schelling.

Das zweite Drittel begann mit einem Paukenschlag in der 26. Minute. Ein Querpass vor's Tor der Schweizerinnen lenkte Rantamäki mit den Schlittschuhen ins Tor. Der Videojudge musste eingreifen und entschied zur Entäuschung vieler auf - Tor! Dies markierte nun die Wende im Spiel, die Finninnen blühten auf, die Schweizerinnen wurden nun konsequent in ihr Drittel gedrängt, der Knopf war sozusagen gelöst. Trotzdem gelangen den Schweizerinnen noch gute Angriffe und es hätte auch 2:1 für die Underdogs heissen können Ende der 2. Periode.

So musste der letzte Abschnitt entscheiden und dort erwischten die Finninnen einen Traumstart, konnten sie doch innert kurzer Zeit zweimal aufgrund ihrer technischen Überlegenheit Profit schlagen und zum 3:1 erhöhen. Die Vorentscheidung war gefallen, die Nordländerinnen konnten ihre Bronze locker nach Hause verteidigen und sogar noch auf 4:1 erhöhen.

So endete das Spiel, dieser historische Moment trotzdem ohne Sieg für die Schweiz. Auch wenn Tränen flossen, so war man doch spätestens beim anschliessenden Abschlussessen in einem "hot Pot"-Restaurant wieder stolz und fröhlich, etwas ganz besonderes geleistet zu haben.

"Ja, wir sind entäuscht, es war ja ein Spiel und das willst du gewinnen. Aber bald schon werden wir realisieren, was wir hier geleistet haben, was für ein unglaublicher Effort gemacht wurde. Ich bin unheimlich stolz auf dieses Team, auf die Entwicklung im Turnier und was jede für den Erfolg getan hat. Wir dürfen erhobenen Hauptes in den Flieger steigen" war René Kammerer, Headcoach der Nati, kurz nach dem Spiel zu entlocken.

"Logistisch ist es jetzt eine Herausforderung, müssen wir doch in aller Eile noch packen, denn dieses Spiel stand ja ursprünglich nicht auf der Rechnung. Aber diesen Stress nehmen wir gerne" lachte ein gelöster Teamleiter Philipp Steiner auf dem Weg zurück ins Hotel.

Am Montag, 14.4.2008 wird die erfolgreiche Mannschaft in Zürich landen. Genau um 9.00 Uhr mit Flug Air Malev 564 von Budapest. Kommen auch Sie und empfangen sie die Spielerinnen und Staff mit Fahnen und Glocken. Ein Sound der nach den ewig gleichen 4 Flurberieselungsliedern im Hotel der Schweizerinnen wie eine Wohltat klingen muss.



historisches Programm-Plakat - die Schweiz spielt um eine Medaille


Ladies! Das Schweizer Team in den modischen Anzügen für Spieltage

Freitag, 11. April 2008 18:37

 

Tagesbericht A-Nati, 11.4.2008

Am heutigen Tag war nicht viel los ausser dem Training und dem endlich offiziellen Teamfotoshooting durch den IIHF. Die Fotoausrüstung war am Zoll hängengeblieben, so lange, dass dieses Traktandum schon fast ins Wasser fiel.

So aber genossen die Schweizerinnen im Anschluss ans Shooting nochmals ein letzte Training auf dem Haupteisfeld in der Baqu Arena. Das morgige Warm-up bestreiten die Eisgenossinnen dann in der Trainingshalle, da man am Nachmittag Gast sein wird.
Nach dem Training ging's zurück ins Hotel, wo erste Vorkehrungen für den Versand der Fracht getroffen werden mussten. Anschliessend war das Team frei, konnte sich pflegen lassen, in die Stadt gehen oder das tun, was jede für nötig hielt um den Kopf wieder frei zu bekommen für die grosse Herausforderung morgen. "Wir starten als klare Aussenseiter ins Bronzespiel. Wir haben jetzt schon Geschichte geschrieben hier in Harbin, haben keinen Druck. Der liegt bei den Finninnen, denn für sie bedeutet es viel, nach Jahren hinter Schweden, endlich mal wieder eine Medaille zu holen. Sie werden entsprechend motiviert sein. Aber es ist müssig zu sagen, dass wir das auch sind" lächelte Delegationsleiter Philipp Steiner, während die Coaches an der Spielvorbereitung waren.

Der morgige Tag also wird so oder so Geschichte schreiben, wenn die Schweiz zum ersten Mal in der knapp 20-jährigen Geschichte des Nationalteams an einer WM oder an olympischen Spielen in einem Medaillenspiel steht. "Pünktlich auf das offizielle 20-Jahr Jubiläum der Schweizer Frauennationalmannschaft werden wir in der Weltrangliste neu auf Platz 5 klettern, die WM2009 und die olympischen Spiele 2010 auf sicher haben und das nicht mit nur einem Sieg gegen Deutschland, nein. Wir haben nacheinander die Weltnummern 5, 3 und 6 geschlagen. Also haben wir eindrücklich bestätigt, dass wir diese beiden Grossanlässe verdient haben" so Steiner weiter.

Morgen geht es also gegen die Weltnummer 4 um Bronze. Das Spiel wird wie immer im Internet unter iihf.com mit Liveticker übertragen. Seien auch Sie dabei, wenn die Frauennati Geschichte schreibt und drücken sie der Delegation in Harbin die Daumen.



Jubeltraube nach dem Spiel gegen Russland


Hymne mit Fahne die nächstes Jahr mindestens einen Platz weiter links hängen wird

Donnerstag, 10. April 2008 18:23

 

Tagesbericht A-Nati, 10.4.2008

Der Tag selbst begann wie jeder andere Game Day bislang hier in Harbin. Morgenessen - Transfer - Warm-Up Training - Transfer - Spielbesprechung - Ruhe - Mittagessen - Transfer - ... Doch diesesmal fuhren die Russinnen zu früh ab und das Polizeiauto, dass die beiden Busse anführen sollte war zu spät. Auch der Schweizer Teambus fuhr natürlich los und so sah man die beiden Polizisten in ihr Auto rennen und mit Vollgas hinterher. Beim ersten grossen Kreisel wurden die Schweizerinnen vom Polizeiauto eingeholt und ordnungsgemäss eskortiert, obwohl das Absperren der Strassen nicht wirklich klappte. Einen halben Kilometer vor der Halle kam der Car der Russen wieder in Sicht und dann passierte wohl das Omen zum Tag: Unser Bus hinter dem Polizeiauto überholte unter der Eisenbahnbrücke den Bus der Russinnen was mit tosendem Applaus für den Chauffeur verdankt wurde. Im kleinen Bus, verglichen mit dem Luxusliner der Gegnerinnen kam der Schweizer Tross in der Halle an und zelebrierte eine High-5 Abklatsche für alle.

Das Spiel selbst begann für die Schweizerinnen nicht ganz nach Plan, waren doch alle nervös und wussten um die einmalige Chance und die Verantwortung. Russland, mit lauter Profis in Harbin hingegen hatte nichts zu verlieren und liess seinem Spiel freien Lauf. Auch diese Partie war wieder von vielen Strafen geprägt, aber keine der beiden Mannschaften schaffte bei 5 gegen 4 ein Tor. In der 11. Minute aber tankte sich zum ersten Mal das Trio Lehmann, Stefanie Marty, Leimgruber durch die Reihen der Russinnen. Das von Captain Lehmanns Schuss verursachte Gestocher nutzte Marty zum 1:0 Führungstreffer aus. Jubel aber auch Anspannung war in den Schweizerinnen zu lesen. Die Russinnen reagierten heftig, machten ihren Status klar und kamen immer wieder zu brandgefährlichen Abschlüssen. Aber einmal mehr stand Florence Schelling im Tor der Eisgenossinnen ihre Frau und wehrte alle Versuche der Russinnen ab, so auch zum Schlussgong des ersten Drittels bei angezeigter Strafe. Nur gegen wen war im Getümmel die Frage. Der auf dem Rücken liegenden Mannschaftsführerin der Russinnen, Smolentseva war das egal, sie trat mit dem Fuss gegen Monika Leuenberger, was die Scheidsrichterin richtigerweise mit einer Matchstrafe ahndete. Zudem war die angezeigte Strafe ebenfalls gegen Russland. So startete die Schweiz mit 2 Minuten 5 gegen 3 und sicher weiteren 3 Minuten Überzahl ins 2. Drittel. Schleisslich war es wieder Stefanie Marty, die eine Vorlage Lehmanns in der ersten Minute nach Wiederbeginn verwerten konnte - 2:0, aber immer noch spürbare Nervosität bei den Schweizerinnen. Die Last des Gewinnenmüssens lastete schwer und so kam Russland weiter auf. Eine Kompensationsstrafe gegen die Schweiz verhinderte weiteren Nutzen aus der 5-Minuten Strafe zu ziehen. Die Osteuropäerinnen gaben weiter das Tempo an, holten ebenfalls eine 5 gegen 3 Situation heraus und prompt war es Kapustina die mit einem Hammer ab der blauen Linie genau ins Lattenkreuz traf. Schelling, der die Sicht verdeckt war blieb chancenlos. Das 2:1 verunsicherte die Schweizerinnen doch noch weiter und schliesslich war man froh, in die zweite Pause zu gehen. 20 Minuten entfernt von der grössten Sensation der Neuzeit, aber einen Gegner, der lautstark von den Schwedinnen angefeuert wurde, die von einer Niederlage der Schweiz profitiert hätten. Noch einmal trieb Headcoach René Kammerer sein Team in der Garderobe an, noch einmal rauften sich die Schweizerinnen zusammen, noch einmal stellte man sich der Herausforderung. Was folgte waren 20 Minuten purer Nervenkitzel. Chancen auf beiden Seiten aber es fielen keine Tore. Gegen Schluss imer mehr Druck der Russinnen, der Lärmpegel der Schwedinnen oben auf der Tribüne immer lauter, Angriff um Angriff, es war einmal mehr nicht zum Aushalten. Dann noch eine Strafe keine 3 Minuten vor Ende. Nochmals stellten die Russinnen ihre besten Kräfte auf's Eis. Aber das mittlerweile erprobte Boxplay der Schweizerinnen überzeugte noch einmal auf der ganzen Linie, liess keine Chancen mehr zu und so liefen die letzten 30 Sekunden auf der Uhr. Die Russinnen stemmten sich mit alle Macht gegen die drohende Niederlage hatten nochmals 2 Riesenchancen, schnürten die Schweizerinnen im Drittel ein, aber dann Schuss, Ablenker hinters Tor und dort letzte Scharmützel, die Sekunden rannen und nochmals die Scheibe am Torkreis und dann - der wohl schönste Gong im Leben der Spielerinnen ertönte und wieder erzitterte die Halle unter dem Geschrei der Schweizerinnen. Nun war das SWISS MIRACLE ON ICE Tatsache, es gab kein Halten mehr.

"Ich bin sprachlos" waren die einzigen Worte, die Assistant Coach Michael Fischer gleich nach diesem Sieg wusste. Gesprächiger war da René Kammerer, nun offiziell erfolgreichster Frauennatitrainer aller Zeiten: "es war kein gutes Spiel von uns, aber das war aufgrund des immensen Drucks auch nicht zu erwarten. Man darf nicht vergessen dass wir auch in dieses Spiel als Aussenseiterinnen starteten und die Russinnen nominell besser sind als wir. Aber dieses Team, dieses unglaublich Team schaffte das Wunder von Harbin, wir spielen um Bronze und haben die Top 4 der Welt an einem Turnier geknackt. Es ist wirklich too much!"

Katzenjammer natürlich im Norden. Die Schwedinnen gehen zum ersten Mal seit Jahren leer aus, belegen den ungewohnten 5. Rang. Noch härter traf es Deutschland. Im alles entscheidenden Spiel um oder eben gegen den Abstieg sahen sie bis 3 Minuten vor Schluss als gerettet aus, führten 2:1. Doch was dann geschah ist nur schwer zu glauben. Binnen nicht einmal 2 Minuten kassierten sie noch 3 Tore und damit eines zuviel. Das niederschlagende Verdikt für das mit einem Dutzend Profis ausgestattete Programm um Profitrainer Peter Kathan lautete somit Abstieg! Der Super Gau war also eingetreten. Grenzenloser Jubel dagegen natürlich bei Gastegeber China, die sich quasi in letzter Sekunde gerettet haben.

Für viele Schweizerinnen war in diesem Moment jedoch bereits Feierabend, sanken doch viele schon früh müde ins Bett.  



Hinterhof gleich neben der Eishalle

Mittwoch, 09. April 2008 15:22

 

Tagesbericht A-Nati, 9.4.2008

Heute war vor allem Regeneration angesagt. Das Spiel gegen Schweden sass noch in den Knochen und die Stadt mit der trockenen und dreckigen Luft zehrt an den Kräften. So traf man sich zum Frühstück und dann wieder zum Mittagessen, bevor es ins Stadion ging für ein stündiges Training. Jeder Spielerin war es freigestellt, wie sie den Morgen verbringen wollte. Einige gingen in die Stadt, andere entspannten sich in den Zimmern mit Lesen oder nochmals etwas Schlaf.
Anschliessend an das Training besuchten die meisten Spielerinnen das Spiel Schweden Russland (3:1) um den morgigen Gegner zu studieren. Man sah, dass es ein schwieriges Spiel werden wird und so machte man sich zeitig wieder auf, um genug Schlaf zu finden nachdem der Staff Pasta zum Abendessen servierte.

Im Abendspiel schlug Japan China mit 3:1 und tat das seinige gegen den Abstieg. Nun kommt es morgen zum grossen Showdown zwischen China und Deutschland. China muss unbedingt gewinnen, ansonsten sie an ihrer ersten Heim-WM als Absteiger dastehen würden. In diesem Falle könnte es rechnerisch sogar noch Deutschland blühen, in die Div. I abzusteigen. Für Spannung ist also gesorgt, natürlich auch in der Schweizer Partie gegen Russland. "Alles ist möglich, Rang 6 oder das Bronzespiel" so Headcoach René Kammerer zur Ausgangslage. "Russland hat lauter Profis in seinen Reihen, ist eingespielt und variantenreich. Es wird ein grosse Herausforderung, aber wir haben es in der eigenen Hand, können aus eigener Kraft in die Medaillenspiele. Wir müssen einfach auf dem Boden bleiben und unser Spiel durchziehen, dann ist es möglich, Russland zu schlagen. Diese Mannschaft hat bewiesen, dass sie zu so einem Exploit fähig ist. Theoretisch aber geht klar Russland als Favorit in das Spiel" so Kammerer weiter zum entscheidenden Spiel der Zwischenrunde morgen um 15.30 Uhr in der Baqu-Arena in Harbin. 



grenzenlose Freude in Harbin (courtesy iihf.com)

Dienstag, 08. April 2008 17:46

 

Tagesbericht A-Nati, 8.4.2008

Der heutige Tag sollte das erste Spiel der Zwischenrunde der Gruppenzweiten bringen, das den Gruppengewinner ins Bronzemedaillespiel portiert. Für die Schweizerinnen stand ausgerechnet der Knaller gegen Schweden an. Vor einem Jahr in Winnipeg verlor man noch mit 0:4 und war chancenlos geblieben.

Nach dem Warm-up zog sich das Team von René Kammerer zur Spielbesprechung und anschliessender Ruhe zurück. Man durfte gespannt sein, ob man ein Jahr später gegen denselben Gegner wieder als Verlierer oder Gewinner vom Eis geht.

Das Spiel begann wie erwartet mit viel Druck und Chancen für Schweden. Die Weltranglistendritten stellten ihre drei grössten Spielerinnen (je 1.80 m) in einen Sturm und wollten wohl die Eisgenossinnen optisch platt walzen. Oder Strafen provozieren die sie dann ausnutzen wollten. Eine solche kassierte die Schweiz auch bereits früh im ersten Drittel. Insgesamt sollten es 6 alleine im ersten Spielabschnitt sein. Mit dieser letzten im ersten Drittel sollte der Match dann aber so richtig lanciert. werden. Bis anhin hatten die Schweizerinnen alle Chancen zu nichte machen können. Und was durchkam war sicher Beute der einmal mehr überragenden Florence Schelling im Tor der Eisgenossinnen. Die Schweizerinnen konnten im besagten Unterzahlspiel die Scheibe gewinnen und einen Konter fahren. Leimgruber legte auf Lehmann und diese schoss ihr erstes von drei Toren an diesem Abend. Verdutzt schauten sich die Schwedinnen an, wurden sie doch von dem Geschehenen sichtlich überrascht. Die Reaktion aber war heftig und Schweden konnte das noch laufende Überzahlspiel doch noch nutzen und auf 1:1 stellen. Gross war ihr Jubel und das allein war schon ein Kompliment für das Schweizer Team. Wer nun aber dachte, alles gehe seinen gewohnten Weg sah sich getäuscht. Luccy Nussbaum nutzte einen Wechselfehler der Schwedinnen aus und lancierte Stefanie Marty die sich durch alle Nordländerinnen und den Goalie durchtankte und herrlich, nur wenige Sekunden vor der ersten Pause zum 2:1 einschoss. Trotz 6 Strafen und 3:11 Schüssen auf die Tore stand es also 2:1 für die Schweiz.
Mit sichtlichem Mumm traten nun die Schweizerinnen zum 2. Drittel an, mussten aber bereits nach etwas über 2 Minuten den erneuten Ausgleich hinnehmen. Jordansson lenkte unglücklich für Schelling mit dem Schlittschuh ab, da es keine Kickbewegung war zählte das Tor. Das aber brachte die Schweizerinnen keineswegs aus dem Konzept. Im Gegenteil: in der 29. Minute schaffte Lehmann erneuteinen Durchbruch, lanciert von Steffi Marty konnte sie sich vors Tor kämpfen und schloss Backhand in die weite Ecke ab und erhöhte für die Schweiz auf 3:2. in der 35. Minute wiederum verwertete Schweden eine weitere Powerplaychance mit dem 3:3. Danach sollte die grosse Abwehrschlacht und die Zeit von Florence Schelling erst beginnen. Mit jeder Minute mehr drückten die Schwedinnen weiter und die Schweizerinnen verteidigten ein ums ander Mal mit grossem Herz und Engagement. So zählten sich die Sekunden, und diese wurden zu Minuten und schliesslich war es kurz vor Schluss als Laura Ruhnke sogar noch zweimal die Entscheidung auf dem Stock hatte. Einmal scheiterte sie im Alleingang am schwedischen Keeper Marti'n, das andere mal segelte eine Direktabnahme nur Zentimeter am Pfosten vorbei. So kam de Verlängerung und darin die letzte Strafe gegen die Schweiz. Noch einmal brandete Welle um Welle auf's Schweizer Tor aber mit jeder Sekunde schrieben die Schweizerinnen aufopfernd an ihrer grossen Geschichte hier in Harbin. Ein letzter Befreiungsschlag, die Sekunden rannen dahin und die Overtime war vorbei. Jubeln mochte noch niemand denn noch war nichts entschieden. Headcoach René Kammerer stellte seine Schützinnen zusammen, 2 meldeten sich freiwillig, eine Dritte wurde bestimmt. Die Schweiz wählte den ersten Schuss für sich und so lief erneut Lehmann an. Der Schweizer Captain lief gerade auf Marti'n zu, hielt sie in der Mitte und erwischte sie mit einem Handegelenkschuss zwischen den Beinen. Zum ersten Mal explodierte die Schweizer Bank und Florence Schelling machte sich für ihren erstne Penalty bereit. Jordansson lief an täuschte auf Schelloings Fanghand zog nach links und... Schelling slidete noch in den Versuch den Puck in der entfernten Ecke zu versorgen. Immer noch 1:0 Schweiz! Nun lief die vorhin bestimmte Rahel Michielin an, Jahrgang 1990. Warum? "am Morgen beim Warm-Up konnte sie die verlorene Wette der Verteidigerinnen gegen die Stürmerinnen mit einem Penaltyerfolg wieder herstellen. Sie tat das souverän!" äusserte sich Head René Kammerer zur Wahl der jungen Thurgauerin. So lief sie an, mit der Absicht den Coup vom Morgen zu wiederholen und damit die Schwedinnen in arge Bedrängnis zu bringen. Michielin zog nahe auf's Tor, Marti'n machte unten zu, so war die hohe obere Fanghandecke offen, ise schoss, der Fänger kam zu spät aber - Ping - der Pfosten rettete Schweden noch einmal vor der wohl endgültigen Entscheidung. Die Spannung war nicht zu ertragen und die Halle kochte als Schwedens Weltstar Rooth anlief. Wie zu erwarten war schloss sie mit einem unglaublich harten Handgelenkschuss ab, traf aber ebenfalls nur die Torumrandung. So mussten die letzten beiden Penaltys entscheiden. Zuerst hatte Stefanie Marty die Möglichkeit, die Schweiz in die ewigen Geschichtsbücher zu schiessen. Sie lief ihre zuvor mit geschlossenen Augen wie ein Skifahrer einverleibte Variante ab, düpierte Marti'n auch zur Stockhandseite, jedoch liess auch Marti'n ihre Weltklasse aufblitzen und holte ihrerseits den Schuss aus der weiten Ecke heraus. So stand wieder Schelling im Brennpunkt und die Spannung war in der Luft fast schon mit Messern zu schneiden. Alle lagen sich in den Armen, hielten den Atem an. Holmlöv lief an, trickste mehrere Male schnell und sicher vor Schelling zog auf ihre Fanghandseite und....

Schelling hielt - aus- das Spiel war aus!!! Um 17.48 Uhr Lokalzeit explodierte das Stadion unter dem Geschrei der Eisgenossinnen die innert Sekundenbruchteilen eine Jubeltraube bildeteten während der Staff auf der Bank auf und ab hüpfte. Es war tatsächlich wahr geworden. Die Schweiz schlägt Schweden an einer WM, knickt die Medaillenhoffnungen der stolzen Weltnummer 3 schon fast auf die nur noch theoretische Seite. Endlose Leere in den Gesichtern der Skandinvierinnen, grenzenloser Jubel auf Seite der Schweizerinnen, die soeben den grössten Sieg in der Geschichte der Nationalmannschaft errungen hatten.

Und so tönte zum zweiten Mal die Schweizer Hymne im Stadion Harbins und alle sangen sie unser Landeslied so laut und so schön wie noch nie zuvor.

"Wahnsinn, unglaublich, phänomenal! Als wir vor dem Warm-Up in die Garderobe kamen sahen wir in die Augen der Spielerinnen und wussten, dass es heute keine Worte braucht und wir schickten sie einfach raus mit den Worten - schaut einmal in eure Augen, so g... - und sie schafften das Wunder von Harbin, das Swiss Miracle on Ice" so ein aufgelöster Assistant Coach Michael Fischer gleich nach dem Spiel. "Die Spielerinnen liefen und liefen und waren frech und furchtlos. Nicht alles Attribute die wir vor einem Jahr gehabt haben. Zudem waren sie geduldig und im Abschluss effizient. Und schliesslich und endlich spielte Flo Schelling im Tor eine Weltklassepartie. Schlicht sensationell was sie hier bislang gezeigt hat. Für mich ist sie klare All-Star Kandidatin" so Fischer weiter. "Ich bin einfach nur stolz auf dieses Team und die Entwicklung über das Jahr und speziell hier in Harbin. WAs diese Gruppe leistet ist fast nicht fassbar. Eine Gruppe Aussenseiterinnen lehrt hier allen das Fürchten und das mit einer Selbstverständlichkeit, die einem Gänsehaut macht. Jetzt aber gilt es sich sofort wieder zu fokussieren, denn noch ist nichts gewonnen. Am Donnerstag wartet eine ganz schwere Partie gegen lauter russische Profis auf uns. Aber wir werden alles geben, auch dieses Spiel zu gewinnen um dann am Samstag um Bronze zu spielen. Das wäre dann aber wirklich der echte Überknaller!" so Headcoach René Kammerer nach dem Spiel.

Der Abend wurde dann doch recht kurz, waren alle doch müde und legten sich früh schlafen. Vielleicht auch, um nochmal diesen Moment zu geniessen und erst einmal zu verarbeiten.

Am gleichen Tag fand noch ein weiteres Hockeywunder statt, schlug doch Finnland die U.S.A. in der Overtime mit 1:0. Den Hals nochmals aus der Schlinge ziehen dafür wohl die Deutschen die dann am Abend Japan knapp mit 2:1 schlagen konnten und somit wohl den Abstieg vermeiden können. 

Hier gibt's die Fernsehbilder zur Schweizer Sensation in Harbin des schwedischen TV!

Bilder des Matches gibt's auf der IIHF-Seite (Direktlink) und den Spielbericht hier



Statue beim Fluss im Zentrum von Harbin

Montag, 07. April 2008 17:03

 

Tagesbericht A-Nati, 7.4.2008

am heutigen Tag genossen alle Teams einen freien Tag bevor es in die Zwischen- oder Abstiegsrunden geht. Das Schweizer Team startete dabei am Morgen eine Tour zu den (wenigen) Sehenswürdigkeiten Harbins und kauften da und dort ein paar Mitbringsel für sich oder für die Lieben zu Hause. Nach dem Mittagessen stand eine Stunde Eistraining an, die der Coaching Staff nutzte, um die Mannschaft wieder auf die bevorstehenden Spiele gegen Schweden und Russland einzustimmen.
Den Abend verbrachten die Eisgenossinnen dann im Hotel und gingen zeitig schlafen, Tagwache soll ja am Dienstag bereits wieder früh am Morgen sein.

Eine Delegation aus dem Staff der Schweizerinnen war am Abend noch zum Welcome Banquet der Stadt Harbin eingeladen. Aus jedem Land und aus der Stadt, dem IIHF und den chinesischen Sportverbänden waren Vertreter anwesend um bei traditioneller Musik und einheimischem Essen der Stadt ihre Ehre zu erweisen. Böse Zungen behaupten, nicht jeder der Schweizer Vertreter hätte nach dem Bankett genug im Bauch gehabt...

Aufgrund des freien Tages nahm sich René Kammerer die Zeit, frauennati.ch ein Interview zu geben.

Frauennati.ch: René, herzlichen Dank dass du dir die Zeit nimmst, und ein Interview zu geben. Wie fühlst du dich am heutigen Tag? Die Vorrunde ist abgeschlossen, die nächsten Gegner sind bekannt.
René Kammerer: Gern geschehen! Zur Zeit fühle ich mich gut. Die Vorbereitung hier in Harbin ist den Umständen entsprechend gut verlaufen, die Vorrunde war ein Erfolg. Über unseren nächsten Gegner haben wir uns erst lose Gedanken gemacht. Wir haben sie in den anderen Spielen hier gesehen. Im Moment sausen noch viele Gedanken darüber im Kopf herum, wir werden sehen...

Welche Spielerin ist in deinen Augen die Überraschung?
RK: Über einzelne Spielerinnen gebe ich grundsätzlich keine Meinung öffentlich bekannt. Das Team als ganzes mit dem Staff hat die Leistung gebracht. Ich beziehe mich hier nicht nur auf die 2 WM Spiele. In der Vorbereitung haben wir China 3:1 geschlagen. Das 0:7 gegen Finnland hat uns ganz gut getan, und die Augen geöffnet.

Was würdest du in der Vorbereitung auf diese WM heute anders machen?
RK: Die Vorbereitung der WM hier in Harbin hat extrem viel Energie und Zeit gekostet. Vom Staff, vom Verband, und von den Spielerinnen. Es war zum Teil enorm mühsam. Unabhängig des Erfolges, würde ich nur wenig an der Vorbereitung ändern. Da oder dort ein Tag mehr z.B. es schwirren auch andere Ideen im Kopf, aber im Moment zählt dieses Turnier. Wir werden uns sicher später mit dieser Frage beschäftigen.  

Hat sich alles so abgespielt, wie du es dir vorgestellt oder vorgenommen hast?
RK: Mehrheitlich ja. Hmmmm....wir müssen das nach der WM genauer analysieren.

Wie lauten die weiteren Ziele dieser WM?
RK: Nominell sind ab jetzt alle Gegner stärker als wir. Wir wollen unsere Fortschritte bestätigen. Mutig, Frech und Aggressiv auftreten. „Proud to be Swiss.” Wer weiss, die Rolle als Spielverderber liegt uns. Der 5. Platz von Winnipeg zu wiederholen wäre ein grosser Erfolg.

Wie schätzt Du die nächsten Gegner ein?
RK: Schweden ist die klare Nummer 3 der Welt. Technisch, taktisch und physisch enorm stark. In Winnipeg haben wir 0:4 verloren. Wir wollen auch mal Tore schiessen.
Russland als ganzes ist nochmals stärker geworden. Die Nr. 8 „Gavrilova“ ist einfach Extraklasse. Ihre Torhüterin hat mich jedoch noch nicht so überzeugt. Auch ihr physisches Leistungsvermögen müssen sie erst noch beweisen. Wobei dieser Eindruck ganz gewaltig täuschen kann. Es könnte auch Ostblock Mentalität sein.

Es werden auf jeden Fall 2 harte Spiele. Wir können nur gewinnen, und freuen uns darauf!

Was fehlt uns um einen Grossen zu schlagen?
RK: Gegenfrage: Was heisst grosse Nation?

Eine, die in der Weltrangliste vor uns ist. Aktuell wären das CAN; USA; SWE; FIN....dann verändert sich das Worldranking ja...
RK: Hmmmmm...überlegt lange....CAN und USA spielen in einer eigenen Liga. Da wird sich auch wenig ändern. Etwas ärgern können wir die, mehr aber nicht. Ist nun mal die Realität. Gegen die Amis haben wir mutig gespielt, dass hat gut ausgesehen. Wenn du aber nur einen Moment nachlässt, wird’s mehr als brandgefährlich. In der Regel ist es ein Tor. Da hilft nur noch ein Weltklasse Torhüter... Diese Torfrauen haben wir zum Glück. Bei den anderen Teams sind viele, die diesen Sport professionell ausführen können. Zum Teil subventioniert vom Olympischen Verband (SWE). Diese Mittel fehlen uns gänzlich.
Oder deren Spielerinnen sind in ausländischen Profiligen (FIN und SWE). Beide haben Spielerinnen in Nordamerika und Russland. Wir haben unsere Bemühungen in dieser Richtung intensiviert, und einige im Ausland. Die essen jetzt noch hartes Brot, müssen böse unten durch. 
Aber auch wir Coaches sind Amateure, uns fehlt schlicht die Zeit (Beruf), uns z.B. entsprechend weiter zu bilden. Bemühungen um Erfahrungen intern (mit den Ligacoaches) auszutauschen scheiterten bisher auch immer wieder - leider. Dabei wäre dieses Wissen, dieser Austausch enorm wichtig. 

Wo haben wir bei der Ausbildung der Spielerinnen noch den meisten Handlungsbedarf, wenn du international vergleichst?
Ein klarer Unterschied liegt im Topspeed und der Beschleunigung. Da arbeiten die anderen Topnationen sehr mit schnellen Füssen. Hohe Schrittfrequenz über eine längere Zeit, dazu agil und wendig sein. So haben auch körperlich kleinere Nationen gute Chancen. Finnland ist ein gutes Beispiel dafür. Dann halt auch die Basics mit der Scheibe. Wir nennen das „1'000 Pucks“. 1’000 Pucks als Slapshot abfeuern oder als Pass auf den Stock bringen, und du hast es im Blut. Dafür braucht es aber Zeit… oder den Profistatus wo du das pro Woche 2 – 3 mal schwergewichtig üben könntest. Oder eben System Schweiz, du machst es in deiner Freizeit.
Zudem kommen generell zu wenige ausgebildete Verteidigerinnen hinzu. Wie bei den Knaben wollen viel mehr Stürmer sein. Da es bei den Herren noch durch die Anzahl Spieler insgesamt abgefedert wird ist das nicht so spürbar, bei uns aber schon.

Zurück zur Frage: Wie weit weg sind wir davon einen Grossen zu schlagen?
Schon morgen werden wir das sehen :)

Sind in deinen Reihen auch Profis wie z.B. in Deutschland?
RK: Wir haben Spielerinnen in Schweden und Übersee. Diese sind in einem profiähnlichen Status. Ansonsten haben wir alles Amateure. Von 12 oder 13 Berufseishockeyspielerinnen wie in Deutschland können wir leider im Moment nur träumen.

Würde ein Profitrainer in der CH Sinn machen?
RK: Es geht nicht nur um einen Profitrainer. Viel mehr bräuchten wir eine Stelle, die sich zu 100 % um das Fraueneishockey in der Schweiz kümmern könnte. Es gibt so viele Themen die wir nur oberflächlich behandeln können, weil uns einfach die Zeit fehlt. Fraueneishockey in der Schweiz wird sich entwickeln, hat Potential. Für Fans, Spielerinnen, Funktionäre und Sponsoren.

Zurück zur WM: Ist das Team bereit für die nächsten Gegner?

RK: Aktuell ist noch mentale und körperliche Entspannung angesagt, morgen werden wir uns wieder damit beschäftigen. Ich bin überzeugt, das Team wird bereit sein! Es hat uns noch nie enttäuscht!

Wie siehst du die Chancen?
RK: Wie sagen das die grossen, die wirklich grossen Coaches so schön? Eishockey ist ein Spiel, der Puck ist rund.

Wie gehst du mit dem Druck an einem Grossturnier (WM/Olympia) um?
RK: Gute Frage.., für mich wichtiger ist, wie ich auf das Team wirke. Der Druck, Stress usw. für das Team ist eh schon gross genug, da muss ich versuchen ruhig zu wirken. Ob mir das gelingt müssen andere beurteilen.
Ich für mich habe meinen Weg, meine Spleens, aber die gehören nicht hierher.

Eine Frage zur heimischen Liga. Warum denkst du, mussten sich in der Vergangenheit immer wieder Teams aus der Liga zurückziehen, und die Segel streichen? Das obwohl die Nationalmannschaft nun einen kontinuierlichen Aufwärtstrend zeigt. Und sich so bereits zum 2. mal für olympische Spiele qualifiziert hat.
RK: Das ist eine komplexe Frage, die ich alleine wohl nicht abschliessend beantworten kann. Ich kann höchstens Vermutungen anstellen. Da wäre einmal die Anzahl der Spielerinnen. Klar, es werden immer mehr, das sieht man auch an den neuen LK C Teams. Bis diese aber das Niveau für Spitzeneishockey haben, braucht es einfach Zeit. Die wollen wir uns nicht geben. Das endet darin, dass einige Top Teams mit 10 oder 12 Feldspielerinnen antreten müssen. Hören Einige auf, wird es eng. Dann haben einige Spielerinnen bemerkt, dass es mehr braucht als im Sommer 1x 1 Stunde Unihockey zu spielen, um dabei zu sein. Etliche sind nicht bereit diesen Preis zu bezahlen. LK A Fraueneishockey soll Leistungssport sein.
Oft sind die Vereine angewiesen auf die enorme Arbeit einiger weniger Funktionären. Steigen diese aus, hinterlassen sie ein Vakuum. Für die Klubs ist es zudem noch immer sehr schwer, an wirklich gute Bedingung zu kommen (z.B. Eiszeiten usw). In diversen „Herren Klubs“ sind Mädchen leider noch immer nicht gerne gesehen. Das ist ein langer Prozess.

Wie viele Unterstützung bekommst du von den Klubs?
RK: Es gibt neu eine Fraueneishockey Kommission, darin sind wir vertreten. In den Ligaversammlungen bekommen wir unser Zeitfenster. Mit den Klubcoaches versuche ich in Kontakt zu sein. Manchmal gelingt das besser, manchmal weniger. Wir wissen, dass wir ohne die Klubs wohl nur schwer existieren könnten, immerhin haben sie die Spielerinnen mehrheitlich. Auf der anderen Seite profitieren die Vereine sicherlich auch von unseren positiven Resultaten. Gerade olympische Spiele bringt Medienpräsenz. Alle werden profitieren. Verband, Vereine und Nationalteam. Alle müssen lernen, dass es ein geben und nehmen ist! Und alle müssen akzeptieren, dass wir uns gegenseitig brauchen, und das nicht nur wenn ein Grossturnier läuft. Sondern noch viel mehr in dessen Vorbereitung.

René, vielen Dank für deine Zeit und weiterhin noch viel Erfolg in Harbin an der WM 2008 und herzliche Gratulation zur direkten Qualifikation für Vancouver 2010!
RK: Merci!



Die Schweiz ist direkt für die olympischen Spiele 2010 in Vancouver, Kanada, qualifiziert!

Sonntag, 06. April 2008 17:24

 

Tagesbericht A-Nati, 6.4.2008

Der Tag der letzten Entscheidungen in den Vorrundengruppen begann für das Schweizer Team wiederum früh am Morgen mit einem Warm-Up Eistraining, anschliessendem Snack (Leckereien aus der Schweiz mitgebracht) und der Spielbesprechung.
Nach einer Ruhepause und Mittagessen startete der Bus wieder mit der Polizei-Eskorte um rechtzeitig im Stadion zu sein. Diese Eskorte kennt wenig Gnade mit den anderen Verkehrsteilnehmern und drängt diese fast in Stockcar-Manier aus dem Weg...

Das Spiel gegen die U.S.A. sollte die auf dem Papier einseitige Sache werden, wurde aber zum Fight David gegen Goliath. David Schweiz kämpfte aufopfernd und defensiv solid. Nur wenige der Schüsse der Amerikanerinnen kamen  gefährlich auf's Tor, die meisten wurden eine sichere Beute der heute einmal mehr überragenden Florence Schelling im Tor. Nur einmal in Unterzahl mussten sich die Schweizerinnen beugen als ein Querpass zu Cahow kam, die am weiten Pfosten reüssierte. Es sollte der einzige Torefolg im ersten Drittel für die Amerikanerinnen sein. Das zweite Drittel begann nicht so erfolgreich, als bereits nach 22 Minuten Stack das 2:0 markierte.
Dann aber kam der grosse Auftritt der Schweizerinnen. U.S.A. bekam eine der wenigen Strafen an diesem Nachmittag und konnte für's Erste aus der Zone befreien. Schelling aber passte auf und spielte einen langen Pass aud die an der gegnerischen blauen Linie wartende Häfliger, diese zog los und verwertete den Alleingang souverän gegen die amerikanische Torfrau. Es war dies das erste Tor gegen eine der Top-Nationen an einer WM oder an Olympischen Spielen seit Halifax 2004! Entsprechend gross war der Jubel auf Schweizer Seite.
Nun merkte aber auch Goliath U.S.A. dass es noch mehr tun musste um am heutigen Tag als Sieger vom Platz zu gehen. Und so steigerten sich die Amerikanerinnen von Drittel zu Drittel mehr und fuhren schliesslich trotzdem einen hohen 7:1 Sieg nach Hause.

Trotzdem war bei den Schweizerinnen niemand nach trauern zu Mute, hatte man doch dem Giganten einen aufopfernden Kampf geliefert. Die Überlegenheit muss zum heutigen Zeitpunkt neidlos anerkannt werden.

Alle Vorrundenspiele sind gespielt, am Abend verlor China noch gegen Kanada hoch mit 0:11. Damit steht fest, dass die Schweiz in der Zwischenrunde auf Schweden (8.4.2008, 15.30 Uhr) und Russland (10.4.2008, 15.30 Uhr) trifft.

Unabhängig der dort erspielten Resultate, aufgrund des sicheren Schlechterabschneidens an der WM der Deutschen und der Chinesinnen als die Schweiz steht schon jetzt fest, dass unser Team im Anschluss an dieses Turnier neu auf dem 6. oder gar 5. Weltrang klassiert sein wird.
Dies ist gleichbedeutend mit der historischen erstmaligen direkten Qualifikation für die Olympischen Spiele 2010 in Vancover Canada! 

Angesprochen auf diese Tatsache und das Spiel meinte Headcoach René Kammerer "einerseits verliert man nicht gerne an einer WM ein Spiel, das heutige gegen die U.S.A. aber zeigte uns sicher die Limiten auf. Die Mannschaft hat bis zum Schluss gekämpft und wir haben mehrheitlich allen Spielerinnen Eiszeit geben können. Wir sind wirklich stolz auf das, was dieses Team bis zum heutigen Tag an der WM gezeigt hat. Nun müssen wir aber trotz der erfreulichen Tatsache der Qualifikation für Vancouver 2010 auf dem Boden bleiben und die kommenden Spiele fokussieren. Zeit um über Olympia nachzudenken wird es später geben. Aber jetzt zählt das nächste Spiel hier an der WM und das geht gegen Schweden. Diese Challenge wird uns alles abverlangen und das braucht unsere ganze Kraft".

Voranzeige: die Schweizerinnen werden am Montag, 14. April, um 9.10 Uhr von Budapest her kommend in Zürich landen. Es soll jetzt schon als Aufruf gelten, die ersten Schweizer Olympioniken für 2010 gebührend zu empfangen.

Glückwünsche können über das Kontaktformular gesendet werden.



Jubel nach dem Sieg gegen Deutschland

Samstag, 05. April 2008 18:01

 

Tagesbericht A-Nati, 5.4.2008

Der Tag des ersten WM-Spiels begann für die Schweizerinnen mit Frühstück um 7.00 Uhr und anschliessendem Warm-Up Eistraining im Stadion. Es war sichtbar zu spüren, dass heute ein wichtiger Tag sein würde und logischerweise machte sich Nervosität breit. Die Spielvorbereitung später im Hotel brachte aber wichtige Erkenntnisse über das Spiel vom Nachmittag und während der folgenden Ruhezeit konnte sich die eine oder andere Spielerin noch etwas zurückziehen und ihre Sitaution und Aufgabe verarbeiten. Nach dem Mittagessen ging es dann bereits ins Stadion. "Standesgemäss" mit Polizeipatrouille. Das OK hat sich wirklich was gegen den permanenten Stau tagsüber einfallen lassen.

Das Spiel begann dann beiderseits nervös und von kleinen Fehlern begleitet, die aber keinen Einfluss auf das Geschehen hatten. Früh bekamen die  Schweizerinnen bereits eine Chance, 5 gegen 3 Powerplay zu spielen. Es gab viele gute Abschlüsse, aber der Torerfolg blieb aus, da die Schüsse von der deutschen Verteidigung stets geblockt oder die Abpraller weggeräumt wurden. Nur kurz später setzte es aber eine Strafe gegen die Schweiz ab, die just am ablaufen war, als sich Julia Marty die Scheibe erkämpfte und auf und davon lief. Ihre Zwillingsschwester Stefanie begleitete sie bei diesem 2 gegen 1 zum Tor der Deutschen und wurde prompt auch am weiten Pfosten bedient. Eiskalt verwerteten die Martys diese Vorlage und erstmals brandete Jubel durch die Schweizer Bank. Mit einem 1:0 Vorsprung und einem leichten Chancenplus ging es in die erste Pause. Zum Wiederbeginn lieferten sich die beiden Teams einen Schlagabtausch um seinerseits ins Spiel zu finden. Melanie Häfliger fand sich am Besten zu recht, eroberte sich in der Ecke die Schweibe und passte zu Bruggmann welche hinters Tor zog und die Scheibe an der nahen Ecke  zurücklegte. Dort stand Laura Ruhnke, welche sich diese Chance nicht  entgehen liess und das 2:0 markierte. Damit war das Spiel endgültig lanciert  und die Intensität nahm ab Mitte des Mittelabschnitts deutlich zu. Deutschland suchte nun den Anschlusstreffer, blieb aber mal für mal in der Schweizer Abwehr hängen. Florene Schelling im Tor der Schweizerinnen bekam im Mittelabschnitt nur halb so viele Scheiben zu halten wie ihr Gegenüber, Jennifer Harss. Diese musste dann kurz vor der dritten Pause nochmals hinter sich greifen. Im Powerplay spielte Meier die Scheibe auf Julia Marty die hoch in der Mitte stand. Sie zog Richtung Tor und passte die Scheibe anstelle eines Schusses an den rechten Pfosten wo Lucrèce Nussbaum stand und die Scheibe ins Tor ablenkte. Diese Vorentscheidung markierte auch gleichzeitig das erste Tor von Nussbaum in der A-Nationalmannschaft.
Das letzte Drittel, so wussten die Schweizerinnen, würde nochmals hart werden. Die Deutschen würden nochmals alles geben um die drohende Relegationsrunde abzuwenden. Und sie kamen und wurden gefährlicher als in den 40 Minuten zuvor. Florence Schelling bekam deutlich mehr zu tun, meisterte ihre Sache sehr souverän und zum Teil spektakulär. Auch eine  5 gegen 3 Situation vermochten die Deutschen icht zum Erfolg zu nutzen und so kam es, dass um 17.35 Uhr Lokalzeit ein weiterer Meilenstein in der jüngeren Geschichte der Damen Nationalmannschaft gesetzt wurde. Die Schweiz gewann mit 3:0 und grenzenloser Jubel brach aus, bedeutete doch dieser Sieg auch, dass wichtige Punkte für eine direkte Olympiaqualifikation gesammelt werden.

Als alle Spielerinnen und Staff wieder vereint waren (Ausrüstungscheck bei den Torhütern, Dopingkontrollen etc) begab man sich nochmals in die Garderobe und liess die Eindrücke und Emotionen beim Gospelsong "Oh happy day" verarbeiten. Noch lange wird man von diesem Sieg sprechen, aber für die Spielerinnen hiess es rasch zurück ins Hotel und schlafen gehen, spielt man doch schon am Sonntag wieder um 15.30 Uhr gegen die U.S.A.

Link zum offiziellen IIHF Spielbericht  

"Ein wahnsinniges Gefühl" brach es aus Michael Fischer, Assistant Coach der Frauennati, heraus "Wahnsinn was die Mannschaft heute für eine Leistung abgerufen hat. Übers ganze Spiel mehr Chancen erkämpft, bessere Über- und Unterzahl gespielt und den 100%-Goalie im Rücken. Das war ein Sieg des Herzens für mich, mag ich es doch unseren Amateurinnen, die viel ihrer Zeit neben Beruf und Schule opfern um diesen Sport auszuüben, von ganzem Herzen gönnen. Sie haben es möglich gemacht, dass unser Name weit in die Welt getragen wird und wir stolz sein können auf sie und unser Land. Auch wenn es nur ein Spiel an dieser WM war und die WM noch weiter geht, so hat dieser Sieg doch eine immense Bedeutung für uns für die weitere Zukunft. Aber dazu später wieder mehr. An dieser Stelle wünsche ich dem deutschen Team viel Glück in der Abstiegsrunde und Susi Götz gute Besserung!" so Fischer weiter. "Ich denke, wir haben diesen Sieg verdient und freuen uns jetzt natürlich, dass wir auch in Finnland 2009 im A-Pool mitspielen können. Für die künftige Entwicklung unseres Sports in der Schweiz und die Nati selber ist das ein wichtiger Wegpunkt und eine Motivation, noch härter zu arbeiten" so Headcoach René Kammerer kurz nach dem Spiel ergänzend. Dann zogen beide Coaches davon um die Partie China gegen Russland zu scouten (Anm. der Redaktion, Russland gewann 5:3 und wird am kommenden Donnerstag Gegner der Schweiz sein).



Eröffnungsfeier mit Fahnenparade

Freitag, 04. April 2008 17:06

 

Tagesbericht A-Nati, 4.4.2008

Die Schweizerinnen griffen am heutigen ersten Spieltag der WM noch nicht ins Geschehen ein und trainierten am Nachmittag nochmals vor dem Spiel morgen gegen Deutschland. Dabei stand bis am Morgen nicht fest, wann genau das Training sein würde, da das lokale Organisationskommittee am Abend zuvor einen neuen Trainingsplan ins Spiel brachte, der alle Daten die vor der WM bekannt waren wieder auf den Kopf stellte. Alle Nationen mussten dann heute morgen früh selbst das Heft in die Hand nehmen und untereinander die Eisbelegung klären, so dass es wieder Sinn machen würde. Ein unglaublicher Faux-pas und viel Aufregung daraus. Als das IIHF dann wieder eingriff ging es wieder auf den alten Plan zurück. Harbin erweist sich als wirklich grosse Nervenbelastung für die Teamverantwortlichen.

Am Mittag wurde die WM mit einer Fahnenparade und zwei kurzen Reden eröffnet, anschliessend spielten Schweden und Japan gegeneinander. Trotz grosser Gegenwehr musste sich Japan mit 0:5 beugen. Anschliessend griffen die beiden Gegner der Schweiz, die U.S.A. und Deutschland ins Geschehen ein. Zwar fertigten die Amerikanerinnen die Deutschen mit 8:1 ab, aber immerhin hielten die Schweizer Erzrivalinnen das Skore im ersten Drittel offen, konnten gar einen Treffer durch Manuela Anwander feiern. Am Abend dann schlug Kanada Russland auch mit 8:1 aber hatte 32 Minuten lang Mühe mit den aufsässig spielenden Russinnen, die erst danach und beim Stand von 1:4 die Hoffnung langsam aufgaben.

Morgen also geht es für die Schweiz los! Drücken Sie dem Team die Daumen und verfolgen Sie das Spiel live im Internet (Link)



ein Teil des Einkaufs auf Kofferrolli verladen

Donnerstag, 03. April 2008 18:27

 

Tagesbericht A-Nati, 3.4.2008

der heutige Tag bildete nach Eventkalender den offiziellen Start der WM (12.00 Uhr Mittags) wenn die Verantwortung vom lokalen Veranstalter an den IIHF übergeht. In der Regel reisen die Teams an diesem Tag von den Pre Camp-Standorten an den Hauptspielort an und trainieren am Nachmittag erstmals am WM-Spielort. Da hier in Harbin alles dasselbe ist erübrigte sich der Umzug und das Team hatte Zeit, sich von den beiden Vorbereitungsspielen zu erholen und auch mal aus dem Hotel zu kommen. Währenddessen stand für den Staff einmal mehr Flüssigkeits- und Nahrungsbeschaffung auf dem Programm. Aufgrund der trockenen und staubigen Luft in Harbin und auch im Hotel mussten bereits Luftbefeuchter angeschafft werden, zudem trinken die Spielerinnen bis zu 4 Liter Flüssigkeit pro Tag um den Bedarf zu decken. Da nicht alles vom Veranstalter kommt und/oder vom Essenstisch im Hotel muss ein guter Teil selbst beschafft werden. Zwar erleiden die Kassiererinnen im nahen Carrefour jedesmal einen Nervenzusammenbruch wenn sie die drei übervollen grossen Einkaufswagen sehen, und auch der Taxichauffeur bekommt den Horror wenn sein Kofferraum proppenvoll geladen wird, aber es ist notwendig. Erst mit dem morgigen Tag dürfen wir (sauberes Trink-) Wasser vom Veranstalter erwarten. Ab dann sollten unsere Einkaufstouren wieder abnehmen. Am Nachmittag stand ein weiteres Training mit vorgängigem Fotoshooting statt. Da die Fotoausrüstung des IIHF am Zoll hängen geblieben ist musste die Schweizer Delegation selbst für eine qualifizierte Kamera sorgen um das Mannschaftsfoto zu schiessen. Das Foto sollte morgen ins Netz gestellt werden können.
Nach dem Training beschloss man den Tag individuell mit Schlafen gehen oder noch etwas plaudern. Die kommenden Tage werden hart und das Team wird die Energie brauchen um die Spiele zu bestreiten.
In der Eishalle wurde über Nacht auch nochmals gearbeitet, jetzt hängen Bandenwerbungen der Sponsoren da. Und auch die Torkameras wurden montiert, damit morgen Mittag, wenn die WM mit dem Spiel Japan gegen Schweden los geht auch alles bereit sein soll.

Weitere Bilder gibt es hier



der Schweizer Host vor Ort - Cindy!

Mittwoch, 02. April 2008 20:09

 

Tagesbericht A-Nati, 2.4.2008

Am heutigen Tag stand bereits das zweite und letzte Vorbereitungsspiel der Eisgenossinnen, diesmal gegen China, auf dem Programm. Entsprechend strukturiert war auch der Tagesablauf mit Frühstück, Warm-Up Training, Mittagessen, Ruhe, Spielvorbereitung und Spiel. Während die Schweizerinnen auf das Spiel eingestellt wurden massen sich Kanada und Schweden bereits miteinander. Kanada gewann schliesslich hochverdient mit 6:1 Toren und fand dabei noch Zeit, gewisse Spielzüge vorzugeben, die sie zu testen hatten. Unglaublich wie weit weg vom Rest der Welt die ersten vier Nationen im Ranking weg sind. Physisch und technisch. Taktisch und mental. Aber es war schön zu sehen, wo das Fraueneishockey heute steht. Und "hinten" hat es Potenzial. Wie zB die Chinesinnen, die heute Gegnerinnen der Schweizerinnen sein sollten. 3 Monate mit ihrem kanadischen Headcoach in Kanada gegen die CWHL-Teams sowie mehrere Spielerinnen aus den ersten beiden Blöcken während der Saison in kanadischen Spitzenteams integriert. Technisch und läuferisch aber auch physisch auf Topniveau. Dazu noch die WM im eigenen Land in der Heimhalle. Eine schwere Affiche für die durch den 0:7- Kanterschlag der Finninnen vom Vortag gebeutelten Eisgenossinnen. Aber das Schicksal wollte es gnädig wissen, kamen doch die Chinesinnen erst ins Stadion marschiert, als die Schweizerinnen bereits für das Warm-Up angezogen waren. Eine kurze Intervention der Schweizer Trainer bei ihrem Kollegen aus Fernost mündete in einem Chinesisch Hagelfeuer seitens der lokalen Organisatoren. Trotz schriftlich bestätigtem Spielbeginn 20.15 Uhr beharrte man auf des Gegners Seite auf Anspielzeit 20.55 Uhr. Schliesslich griffen vor Ort anwesende IIHF-Offizielle in die Diskussion ein und plötzlich waren alle Zweifel beseitigt, die Chinesinnen mussten sich aus dem Ausgangstenue quasi in die Ausrüstung stürzen und zum Warm-Up aufs Eis. Mit einer Viertelstunde Verspätung wurde um halb Neun doch noch angespielt und die Chinesinnen fanden den Tritt verständlicherweise nicht sofort. So gestaltete sich das erste Drittel offen aber torlos. Mit einem Paukenschlag hingegen begann das zweite Drittel. Zwar verlor Stefanie Marty das Anspiel, Darcie Leimgruber jedoch erkämpfte sich die Scheibe wieder an der gegnerischen blauen Linie und gewann entscheidende Meter Richtung Tor. Leimgruber legte zurück auf die mitgelaufene Lehmann die aus diesem "Screen" heraus Goalie Yao zwischen den Beinen hindurch erwischte. Dem nicht genug war wiederum kaum angespielt, als sich die selben wie vorhin, immern och auf dem Eis die Scheibe erneut erarbeiteten und Druck aufs Tor der Gastgeberinnen machten. Yao schliesslich brachte den Schuss Leimgrubers nicht mehr unter Kontrolle und Lehmann erbte zum 2:0 nach nur 31. Sekunden im Mittelabschnitt. Diesen Schock verdauten die Chinesinnen langsam aber trotzdem gut. Sie forcierten das Tempo und kamen rasch zu mehr Chancen und viel Druck auf das erneut von Schelling gehütete Tor. Diese erwies sich heute als souverän und sicher und hielt so den Zweitoreabstand weiter am Leben. Just aus einer Druckphase der Chinesinnen entstand ein Konter, der über Nabholz und Michielin führte. Diese legte zurück auf die anrennende Bullo, welche elegant Verteidigerin und Goalie umkurvte und zum 3:0 einschiessen konnte. Mit 3:0 ging es auch in die zweite Pause und man konnte nochmals Kraft tanken für den letzten Abschnitt in welchem man sich sicher war, würden die Chinesinnen nochmals alles geben um den Match noch zu kehren. Das taten sie dann auch und erarbeiteten sich mehr Spielanteile als die Schweizerinnen. Trotzdem klappte es nicht so recht mit dem Toreschiessen und das 3:1 durch Cui in der 56. Minute kam zu spät um das Geschehen noch auf den Kopf zu stellen. "Eine starke Torhüterleistung und die Turbulenzen um den Spielbeginn waren sicher Faktoren, die zu diesem Sieg beitrugen" so Headcoach René Kammerer gleich nach dem Spiel. "Ich denke aber, wir haben nicht das wirkliche China sehen können, war doch ihr Einstieg in dieses Spiel sehr schwer. Wenn du direkt aus dem Ausgänger in die Ausrüstung schlüpfen musst, ist es schwer, sofort so aufspielen zu können wie man sich das gewöhnt ist. Wäre das nicht gewesen, davon bin ich überzeugt, wäre das vielleicht anders verlaufen. Für uns ist es natürlich schön, diesen Sieg errungen zu haben und auch wichtig für die Moral. Aber einbilden dürfen wir uns nichts, am Samstag erwartet uns ein ganz anderer Gegner, der bereit sein wird" so Kammerer weiter.

Telegramme vom 2.4.2008, Baqu Eishalle, Harbin/CHN:

17:00 Uhr: CAN-SWE 6:1 (4:1; 0:0; 2:0) - Spielbericht

20:30 Uhr: SUI-CHN 3:1 (0:0, 3:0, 0:1)
450 Zuschauer
Tore: 21. (20:08) Lehmann (Leimgruber, St. Marty) 1:0, 21. (20:31) Lehmann (Leimgruber, St. Marty) 2:0, 30. Bullo (Michielin, Nabholz) 3:0, 56. Cui (Linuo) 3:1
Strafen: SUI 2 x 2' / CHN 5 x 2'
Aufstellung Team Schweiz: Schelling (Anthamatten), Balanche, Bruggmann, Bullo, Ehrbar, Frautschi, Häfliger, Lehmann, Leimgruber, Leuenberger, J. Marty, St. Marty, Meier, Michielin, Nabholz, Nussbaum, Ruhnke, Stiefel, Wyss



Einschwörung auf das Finnlandspiel

Dienstag, 01. April 2008 18:04

 

Tagesbericht A-Nati, 1.4.2008

"Grosskampftag" könntem an den 1. April in Harbin durchaus nennen. Am Morgen waren es mittlerweile 7 Teams die auf Eis trainierten und so die bescheidene Logistik der Halle bereits arg testeten. Die Schweden mussten sich bei den Schweizerinnen die Stöcke leihen da ihre es noch nicht mit dem Flugzeug bis nach Harbin geschafft haben und am morgen früh fuhr auch noch Team Canada auf. Mit fatalen Folgen für die Infrastruktur, ging doch mal für einige Zeit nichts mehr als die schieren Massen an Material herangekarrt wurden. Von den Ausrüstungen der 22 mitgereisten Spielerinnen über Materialkisten, Mikrowellengeräte, Schlittschuhtrocknungsmaschinen bis hin zu taschenweise off-ice Trainingsgeräten war alles dabei. Nicht zu vergessen die 6 klappbaren Grosstische die auch noch in die 50 m2-Garderobe mussten. Verständlicherweise sprach der kanadische Chefmaterialwart (es hat selbstverständlich mehrere) von einem "Puff" und er wisse nicht wo anfangen all das Zeug zu verstauen. Am frühen Nachmittag schaffte man es dann trotzdem und die versammelte Betreuer und Trainerschar der Weltmeisterinnen belegte so ziemlich jeden Platz im Garderobengang und in der Medienecke. Derwil trainierten die anderen Nationen entweder zur Vorbereitung der Trainingsspiele oder zur Vorbereitung auf die WM.

Am Nachmittag stand für die Schweizerinnen dann das erste von 2 Freundschaftsspielen auf dem Programm. Gegnerinnen waren die Finninnen die heuer ein sehr starkes Kader stellen und dies auch von Beginn weg den Eisgenossinnen zu spüren gaben. Die Schweizerinnen standen aber am Anfang in nichts nach und vergaben durch Meier im Powerplay gar die Chance auf die Führung. Die starke Räty im Tor der Finninnen parierte aber souverän. Das notierte man auch von ihrem Gegenüber Florence Schelling die ein starkes Spiel zeigte, sich aber dem einen oder anderen Angriff der Finninnen chancenlos gegenüber sah. Zu oft wurden die Schweizerinnen in der eigenen Zone von den agilen Finninnen düpiert. Daraus entstanden zu viele Chancen als dass man das Skore lange ausgeglichen hätte halten können. Vor allem das Duo Helin/Rantamäki tat sich da hervor und bescherte Schelling einen harten Einstand zur dieser WM-Kampagne. Nach 40 Minuten überliess sie plangemäss Songo das Tor. Da war das Spiel aber schon entschieden, führten die Finninnen doch mit 5:0. Im letzten Drittel kamen die Schweizerinnen aber nochmals etwas besser ins Spiel, erarbeiteten sich die eine oder andere Chance, blieben aber vor dem Tor zu harmlos oder sahen in der mittlerweile eingewechselten Hassinen ihre Meisterin. Das 7:0 Schlussresultat musste hingenommen und der Klassenunterschied akzeptiert werden. So sah es denn auch Assistant Coach Michael Fischer kurz nach dem Spiel: "kalr ärgert einem das Resultat aber es ist die Erkenntnis geblieben, dass wir uns während dem Spiel steigern konnten. Zwar nicht resultatmässig aber spielanteilmässig holten wir auf und liessen uns nocht vorführen. Leid tut es mir etwas für die Goalies, die 45 Schüsse abwehren mussten. Bei deren 17 eigenen sagt das alles über den Unterschied aus. Trotzdem geht auch etwas positives aus dem Spiel hervor und das werden wir weiter vertiefen". 
Während in der fernen Heimat die beiden U18 der beiden Nationen gegeneinander antreten lagen die Angehörigen der A-Nati bereits im Bett.

Am Abend spielten in Harbin noch die Deutschen gegen die Japanerinnen. Deutschland setzte sich mit 4:1 durch und feierte so einen ersten Sieg in Harbin. "Trotz der Abwesenheit von Maritta Becker stellen die Deutschen ein sehr gutes Team hier in Harbin. Ihre Spielzüge sind flüssig und ihre Technik ist brillant" stellte der Schweizer Headcoach René Kammerer auf der Tribüne fest. "Man sieht deutlich dass hier Profis am Werk sind, die ihr Handwerk jeden Tag verfeinern und erweitern. Ein Fakt dem wir weit hinterher stehen. Die Deutschen müssen aus meiner Sicht klar in die Top 6 kommen an dieser WM, alles andere wäre eine grosse Überraschung. Wir können versuchen, so lange wie möglich dagegen zu halten. Und das werden wir. Aber ein Sieg gegen Deutschland wird sehr schwierig" so Kammerer weiter.

Telegramme Vorbereitungsspiele 1.4.2008, Baqu Icerink, Harbin/CHN:
15:15 Uhr: FIN-SUI 7:0 (3:0; 2:0; 2:0), 200 Zuschauer
Tore für Finnland: 14. Helin (Voutilainen; Ausschluss Bullo) 1:0, 16. Hiirikoski (Helin) 2:0, 19. Heikkila (Sirvio, Tikkinen) 3:0, 26. Rantamäki (Helin, Lehtinen) 4:0, 38. Rantamäki (Helin, Laaksonen) 5:0, 55. Rantamäki (Helin) 6:0, 58. Tallus 7:0
Strafen: FIN 4 x 2' / SUI 6 x 2'
Bemerkungen: 42. Slongo hält Penalty von Helin 
Aufstellung Team Schweiz: Schelling (Slongo), Balanche, Bruggmann, Bullo, Ehrbar, Frautschi, Häfliger, Lehmann, Leimgruber, Leuenberger, J. Marty, St. Marty, Meier, Michielin, Nabholz, Nussbaum, Ruhnke, Stiefel, Wyss

20:30 Uhr: GER-JPN 4:1 (1:0; 1:0; 2:1)
Telegramm: Tore für Deutschland Anwander (2), Schuster, Kresse


Montag, 31. März 2008 17:10

 

Tagesbericht A-Nati, 31.3.2008

Am heutigen Tag in Harbin standen für die Schweizerinnen 2 Eistrainings auf dem Programm. Die Coaches beschritten damit weitere Vorbereitungen für die nahende WM. Assistant Coach Michael Fischer zeigte sich zufrieden: "wir sind daran, den Jetlag zu verarbeiten und trotzdem die Frauen "auf Trab zu bringen". Das ist heute ganz gut gelungen und das Team findet langsam in den Rythmus den wir an dieser für uns schweren WM brauchen werden".

Derweil weiter im Westen sich unser Nachbar Österreich mit einem Sieg an der WM Div. II in Finnland für die WM Div. I qualifiziert haben. Das ist der bislang grösste Erfolg der Truppe um Trainer Timo Sutinen die noch einen Monat zuvor in Romanshorn den dritten Rang am Mountain Cup errungen hatten, notabene mit einem Sieg gegen die Schweiz. Herzliche Gratulation an Österreich!

Interview mit dem Schweizer Headcoach René Kammerer zum Aufgebot für die WM und zum Aufstieg Österreichs:

frauennati.ch: René, ihr seid nun seit Kurzem in Harbin. Wie ist dein Eindruck vom WM-Standort?
René Kammerer: es ist wie wir es erwartet haben eine spezielle Situation hier, die Leute reden kaum bis gar kein Englisch. Alles Organisatorische wird zum Spiessrutenlauf und auch die Eishalle bietet nicht viel Komfort und ist gewöhnungsbedürftig. Aber das ist für alle Teams gleich und damit müssen wir umgehen können. Das Hotel aber ist mit westlichem Standart versehen und eine angenehme Bleibe für uns.  

Erzähl uns vom Aufgebot. Ihr habt ganze 6 WM-Neulinge nomminiert. Wie kam es dazu?
RK: Das Kader formt sich über die ganze Saison. Die 6 Neulinge haben sich das Aufgebot verdient, resp. erkämpft. Die 4 aus der U18 haben an der WM in Clagary Akzente setzen können und sich am Mountain-Cup mit der A-Nati für weitere Aufgaben empfohlen. Natürlich waren die letzten Entscheide schwierig, aber schlussendlich haben sich diese 18 herauskristallisiert.

Das tönt mutig. Wie schätzt du eure Chancen für die WM ein, immerhin spielt ihr gegen die Nummer 2 und 5 der Welt, keine einfache Affiche?
RK: in beiden Spielen sind wir die klaren Aussenseiter. Dies aufgrund der Ressourcen und Spielerinnen die den anderen beiden Nationen zur Verfügung stehen. Beide Teams verfügen über mehrere Profis im Kader wie beim Staff. Da können wir nicht Schritt halten und müssen versuchen, aus der Situation das Beste zu machen. Alles andere als der dritte Rang nach der Vorrunde käme einer grossen Überraschung gleich. Unser primäres Ziel heisst Klassenerhalt! 

Danke für deine offenen Worte. Nun zu einem anderen Thema: Österreich ist in die Division I aufgestiegen, ist somit "nur" eine Liga tiefer wie ihr. Was sagst du zum Erfolg eurer Nachbarn?
RK: Ich gratuliere unseren Nachbarn ebenfalls herzlich. Für mich kam dieser Aufstieg nicht überraschend, haben doch auch die Österreicher kräftig in ihr Programm investiert. Neben einem Profitrainer haben sie nun ebenfalls einen ganzen Block Spielerinnen im Ausland (Schweden und U.S.A.) und profitieren von derer Erfahrung. Die European Women's Hockey League wird mit jeder Saison stärker und davon zieht auch die Nationalmannschaft ihren Nutzen. Ursprünglich wurde die EWHL als Utopie und unspielbar abgetan. Heute sieht man, dass es eine florierende Liga mit stetig wachsendem Niveau ist. Alles in allem ein logischer Erfolg der kontinuierlichen Arbeit, die um uns herum geschieht.

Aber nochmals zurück zur WM: was erwartest du von deinem Team?
RK: ...dass wir unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen.

René, herzlichen Dank für das Interview und viel Glück an der WM!


Sonntag, 30. März 2008 19:11

 

Tagesbericht A-Nati, 28. - 30.3.2008

Hallo Schweiz - endlich können wir uns bei Ihnen melden!

Am 28.3.2008 ging das Abenteuer WM 2008 für die Schweizer Delegation endgültig los als der Flieger der Air Malev um 10.10 das Gate in Zürich Flughafen verliess und zur Startbahn rollte. Mit Zwischenstopp in Budapest und Peking ging es Mittags Ortszeit nach Harbin. Abflugort in Peking war das brandneue, erst 4 Tage in Betrieb stehende und extra wegen den olypischen Spielen gebaute Terminal 3. Allein die Halle mit dem Check-In hat eine Grösse von rund 500 x 300 Metern!

In Harbin angekommen wartete auch bereits ein schönder goldener Bus auf die Schweizer Delegation, die selbige in rund 50 Minuten in die Innenstadt Harbins ins schmucke Hotel Sinoway mit seinen 2 Türmen à 33 Stockwerken brachte. Müde fielen alle ins Bett und freuten sich auf den ersten Eiskontakt am anderen Tag.

am 30.3.2008 ging es zum ersten Mal auf's Eis. Nicht in der Haupthalle "Baqu Icerink", dafür in der Trainingshalle nebenan. Der Spaziergang mit Turnschuhen und den Schlittschuhen unter den Armen war doch speziell für so einen Anlass aber an trugs mit der nötigen Fassung. Am Abend sollte das zweite Training schliesslich in der selben Halle nochmals stattfinden...

Bilder übrigens gibt es hier

Aufgrund technischer Einschränkungen in China ist es zur Zeit schwierig, Berichte ins Internet zu stellen. Am Problem wird gearbeitet, wir bitten um Geduld. Danke


Sonntag, 23. März 2008 17:51

 

Tagesbericht A-Nati, 22.3.2008

am Ostersamstag traf sich die Nationalmannschaft noch einmal in Huttwil um ein letztes Mal auf heimischem Eis zu trainieren, bevor die Delegation an die WM reist. "Es geht auch darum, letzte Reisevorbereitungen und Administration zu tätigen, damit der ganze Tross reibungslos nach Harbin kommt" so Delegationsleiter Philipp Steiner, der vor seiner ersten WM steht. "Es ist ein aufregendes Gefühl an so einen Grossevent zu fliegen. Aber im Moment bin ich mir dessen noch gar nicht richtig bewusst, denn hinter mir und wohl auch noch vor mir lag und liegt eine Menge Arbeit die es zu erledigen galt und noch gilt. Vielleicht in Harbin, wenn alle und alles sicher angekommen ist und an seinem Platz, dann kann ich vielleicht mal etwas durchatmen und mir erlauben, die Dinge zu verarbeiten. In einem Amateurstaff wie wir es sind geht es nicht ohne Opferung der Freizeit, damit alles auf die Reihe kommt. Aber die Emotionen und Erlebnisse die vor uns liegen rechtfertigen den Aufwand zu jeder Zeit. Ich freue mich auf eine spannende Zeit in Harbin, auch wenn wir nur Aussenseiter sind" so Steiner weiter.

Am selben Tag fand in Huttwil auch der Nyffeler Cup statt, der national wohl wichtigste Event für alle Nachwuchsspielerinnen und Teams vornehmlich aus der LKC. Auf dem halben Feld wurde einmal mehr mit grossem Einsatz um die Pucks gekämpft und davor wurden die Trainings der Nati beobachtet. "Ich freute mich riesig als ich bei einer Mannschaft einen kompletten Block ganz junger Mädchen sah, die gespielt haben. Das zeigt uns, dass das Frauenhockey lebt und auf grosses Interesse stösst. In diesem Sinne gilt unser Dank den Organisatoren die mit grossem Aufwand ein tolles Turnier bieten, jedes Jahr!" so der Schweizer Headcoach René Kammerer zum parallel stattfindenden Anlass im Nationalen Sportzentrum Huttwil.