News Detail


Schweizer Sieg vor Rekordkulisse

Freitag, 17. Januar 2020 23:20

 

Geschichte mit Zuschauerrekord

Noch nie wohnten so viele Zuschauerinnen und Zuschauer in der Schweiz einem Fraueneishockeyspiel bei wie heute in Lausanne. Der Rekord vom Finale in Zürich 2011 wurde in Lausanne bei weitem übertroffen! Und die Anwesenden wurden nicht entäuscht, das Heimteam startete mit einem 1:0-Sieg nach Penaltyschiessen gegen Favorit Tschechien!

Als sich nach Alina Martis Penaltywinner die Stimmung entlud, drohte das Hallendach wegzufliegen. Gerade eben wurde Geschichte in mehrfacher Hinsicht geschrieben. Nicht nur war es der erste Sieg einer Schweizer Frauenhockeyauswahl an Heimspielen, nein, auch der Zuschauerrekord für ein einzelnes Frauenspiel wurde gebrochen. 5'900 Menschen säumten die Ränge und es wurde bereits eng um allen einen Sitzplatz zu bieten. Als die Schweizerinnen ihren Gegnerinnen aus Tschechien bereits knapp die Hälfte des ersten Abschnitts Paroli boten strömten immer noch Leute herein, suchten sich Plätze und Sicht auf's Feld.

Dort spielte nicht etwa der HC Lausanne, nein, es waren dies 17 Schweizerinnen im zarten Alter von 14-15 Jahren. Und sie zahlten im ersten Abschnitt den brutalen Zoll welche solche Erfahrungen einfordern. Alle Spielerinnen waren nervös, zogen sich zu weit in die eigenen Reihen zurück und überliessen den Gästen aus Osteuropa weitgehend die Kontrolle.

Es brauchte den Weckruf der Coaches in der ersten Pause um die Eisgenossinnen aus ihrer Starre zu befreien. Und es nützte. ach und nach legten die Lokalmatadorinnen ihre Zurückhaltung ab und kamen immer besser ins Spiel. Und verpassten im Powerplay durch Jana Peter's Pfostenschuss nur knapp die Führung.
Doch Tschechien hielt dagegen, war spielerisch wohl besser und hatten mehr Abschlüsse. Das hingegen war Margaux Favre zwischen den Pfosten der Schweizerinnen egal. Die "Fasteinheimische" Westschweizerin legte in ihrem Olympiadebut ein sauberes Notenblatt auf den Tisch und liess sich weder in der regulären noch in der fälligen Penaltyentscheidung bezwingen.

Weil auch die Schweizerinnen ihre vielen guten Möglichkeiten nicht nützen konnten kam es - wie an Jugendspielen üblich - direkt zum Penaltyschiessen.
Dort verpasste Bartakova einen Treffer, setzte ihren Versuch links neben das Gehäuse. Auf der anderen Seite lief Jade Surdez an. Die junge Westschweizerin drosch den Puck zwischen den Beinen der tschechischen Hüterin hindurch zur Führung und liess die Halle erstmals erbeben. Solange hatten die vielen Zuschauenden auf diesen Moment gewartet, als er dann kam war der Lärmpegel schlicht atemberaubend. Was für ein Moment.
Doch es kam ja noch besser, verlor Gruntova den Puck beim Versuch, Favre zu umdribbeln. So hatte Captain Alina Marti die Chance dem Spiel ein Ende zu setzen. Und sie tat dies vor der Wahnsinnskulisse wie ein altbackener Profi. Im kleinen Bogen angefahren setzte sie die Scheibe ansatzlos in die Maschen und schoss ihre Farben so zum Sieg und zur kleinen Sensation!

Und was schon angetönt wurde, das Hallendach hat gehalten. Und freut sich auf mehr Eruptionen am Sonntag, wenn die Schweiz um 11 Uhr gegen Japan um den Einzug ins Halbfinal spielt.

Im anderen Spiel am Eröffnungstag schlug Schweden ein aufsässiges Slowakei ebenfalls erst im Penaltyschiessen. Nachdem die Slowakinnen bereits nach 6 Minuten mit 2:0 vorne lagen schlugen die Tre Kronor zurück und gleichen noch in der regulären Spielzeit aus. Im Penaltyschiessen schlug das Drama aber gnadenlos zu. Die Slowakei lag wieder vorne und sah fast wie der sichere Sieger aus. Doch die dritte Schützin der Slowakei, welche alles hätte klar machen können vertendelte ihren Versuch und so war es Schwedens Captain Hall, welche ausglich und im Extraversuch gleich nochmals vorlegte was die Slowakinnen nicht mehr beantworten konnten.

Morgen kommt es für die Tschechinnen zum Do-or-die gegen Japan. Die Asiatinnen, trainiert von einem reinen finnischen Coachingstaff sind läuferisch nicht zu unterschätzen und wollen auch noch ein Wörtchen mitreden. Es ist und bleibt also spannend, wer sich aus dem Trio für die Halbfinals qualifizieren wird.

Tschechien - Schweiz 0:1 nP (0:0; 0:0; 0:0; 0:1)

Vaudoise Arena / Lausanne - 5'900 Zuschauer (!)

Tore: -
Penaltyschiessen: Bartakova verschiesst, Surdez 0:1, Gruntova scheitert, Alina Marti 0:2. 

Schweiz: Favre; Bächler, Alina Marti; Poletti, Gaberell; Harju, Aymon; Surdez, Büchi, Jana, Peter; Kozuh, Schmid, Lendi; Bigler, Kehl, Schmidt.

Bemerkungen: Schweiz ohne Häner (Ersatz). Neuer Zuschauerrekord für ein einzelnes Fraueneishockeyspiel in der Schweiz.